Busrundreise durch Irland für Pferdefreunde

Busrundreise durch Irland für Pferdefreunde

Irland hat weltweit einen exzellenten Ruf im Wirtschaftszweig Pferdezucht gewonnen. Die fruchtbaren Kalksteinweiden und das gemäßigte Klima haben den Iren starkknochige, prächtig gebaute Pferde geschenkt. Berühmt für ihre Wendigkeit, geschätzt wegen ihrer Sanftmut, sind sie für ihre Intelligenz und Ausdauer bekannt.

Pferde sind in Irland ein Teil des täglichen Lebens: Züchten, Trainieren, Jagdreiten, Springreiten, Pferderennen und Pferdehandel ein Teil der irischen Kultur. Irish Horsemanship des Pferdebetriebs, eine phantastische Landschaft, hervorragend geeignet für den Pferdesport, schaffen eine ideale Umgebung für jeden Pferdeliebhaber.

Vom 1.- 8. Oktober 2000 organisierte Katja van Leeuwen Reitferienvermittlung eine interessante Busrundreise „rund um das Pferd“ in Irland.

1. Tag, So., 1. Oktober 2000

Nach einem ruhigen Flug mit leckerem Sandwich kommen wir am quirligen Flughafen von Dublin pünktlich an und werden von unserer Reiseleiterin, Mary Clissmann, freundlich empfangen. Unser erstes Hotel entpuppt sich als eine angenehme Überraschung und wir bekommen sogar noch zu später Stunde ein gutes Abendessen, bei dem sich schon erste Kontakte zwischen den Teilnehmern ergeben.

2. Tag, Mo., 2. Oktober 2000

Nach einem ausgiebigen irischen Frühstück fahren wir in Richtung Pferdemarkt von Ballinasloe. Auf der Fahrt erweist sich unser Busfahrer Charley als lustiger und unterhaltsamer Pferdekenner, der uns später auf der Reise viele Insidertipps gibt.

Ankunft auf dem Pferdemarkt: Welch ein Treiben auf der Wiese mitten im Ort! Inmitten von Matsch unzählige Pferde, Menschen, Händler, Zigeunerwagen, Kirmeskarussells, Pferderennen, Ansagen. Wie gut, dass wir uns mit Gummistiefeln eingedeckt haben! Überschüttet mit Eindrücken stürzen wir uns dann doch in Kleingruppen ins Treiben. Jeder macht seine eigenen Erfahrungen. Nach vier Stunden treffen wir uns wieder, um zahlreiche Erlebnisse, Bilder und Einkäufe reicher.

3. Tag, Di., 3. Oktober 2000

Der heutige Tag ist geprägt von zwei unterschiedlichen Landschaften Irlands. Der Vormittag führt uns in das fruchtbare, grüne Farmland mit riesigen Ländereien und unzähligen Pferden. Wir fahren die Auffahrt zu dem gregorianischen Haus vom Flowerhill Equestrian Centre hinauf. Hier wird uns ein typischer, irischer Reiterhof gezeigt mit Irish Huntern, Tinkern, Voll- und Warmblütern, Connemara Ponies sowie Jagdhunden. Begeistert sind wir von der ausführlichen Information über die irische Pferdehaltung und -fütterung und das Jagd- und Vielseitigkeitsreiten.

Gastfreundlich wie die Iren sind, zeigt uns der Besitzer Oliver Walsh sein Haus und wir bekommen Tee und Cookies im Herrenzimmer. Erfüllt von diesen Erlebnissen fahren wir im Nieselregen – der uns nichts mehr ausmacht – in Richtung des Burren. Durch die karge und fast unbewohnte Kalksteinlandschaft nähern wir uns einem weiteren Highlight des Tages: den Cliffs of Moher. Danach steuert unser Busfahrer uns sicher durch den aufkommenden Sturm, entlang der Küste, unserem wunderschönen, direkt am Atlantik gelegenen Hotel entgegen. Hier werden wir mit Irish Coffee am gemütlich warmen Kaminfeuer empfangen.

4. Tag, Mi., 4. Oktober 2000

An diesem Tag überqueren wir mit der Fähre den Shannon in den Süden Irlands. In Killarney werden wir von vier Kutschen erwartet. Von Irish Tinkern gezogen, zum Teil von uns selbst gelenkt, fahren wir zum Muckross Haus. Die Begeisterung ist so groß, dass einige von uns Pferde und Kutsche erwerben wollen.

Das Muckross Haus ist ein Herrenhaus im viktorianischen Tudor-Stil mit Originaleinrichtung. Gleich anschließend besuchen wir den Killarney National Park mit wunderschönen Seen, Bergen und Wäldern.

Danach geht es weiter nach Kenmare, wo einige von uns einen Einkaufsbummel machen. Am Abend gehen wir mit Mary und Charley in einen Irischen Pub, wo wir mit Guiness, irish-live Musik, Tanz, irischer guter Laune und Unterhaltung richtig viel Spaß haben. Einmal mehr beweist sich Mary als eine großartige Unterhalterin und sie schafft es, uns und alle anderen im Pub auf die Tanzfläche zu bringen. Erschöpft aber glücklich gehen wir zu später Stunde zurück zum Hotel.

5. Tag, Do., 5. Oktober 2000

Mit gewohnt gutem Service verlassen wir bei schönstem Sonnenschein unser Hotel am Kenmare Bay und fahren über den Ring of Beara Richtung Glengerrif und Bantry. Diese Fahrt ist wunderschön. Hoch oben in den Bergen, die nur von Schafen bewohnt sind, blicken wir auf den blauen Atlantik. Wir fahren herunter und sind beeindruckt von der mediterranen Vegetation und schönen, malerischen Buchten, die zum Verweilen einladen. Halt machen wir in Clonakilty, das preisgekrönte, hübscheste Örtchen der Grafschaft Cork.

Unsere nächste Besichtigung ist das Springmount Gestüt. Von dem Besitzer John Kingston, einem Vertreter der irischen Landwirtschaft im Europäischen Parlament, erfahren wir Hintergründe und Problematik der irischen Agrarwirtschaft. Dieses Gestüt hat 60 Stuten, drei Vollbluthengste und viele Milchkühe. Wir bewundern seine preisgekrönten Hengste und sind sprachlos über die gerade abgesetzten Jährlinge, die schon für 200.000 Ir L versichert sind.

Nach dem Mittagessen haben wir Zeit zur freien Verfügung in der Universitätsstadt Cork, die drittgrößte Stadt Irlands. Viel Spaß haben wir bei der Besichtigung der Jameson Whiskey Destillery mit Probe verschiedener Whiskeysorten.

6. Tag, Fr., 6. Oktober 2000

Der absolute Höhepunkt dieser Gestütsreise ist die Besichtigung des Coolmore Gestüts. Dieses Gestüt der Superlative besitzt Dependancen in den USA und Australien mit insgesamt 600 Angestellten. Hier ist das Zuhause von vielen berühmten Vollblutrennpferden und dem erfolgreichsten Deckhengst der Welt: Sadler‘s Wells. Er allein deckt ca. 200 Stuten pro Jahr mit einer Decktaxe von 200.000 Ir L.

Wir sind beeindruckt vom Reichtum der schönen, weitläufigen Anlage mit bronzenen Pferdestatuen, Hubschrauberlandeplatz, Sicherheitspersonal, eigenem Labor und Pferdefriedhof, fünfzehn Deckhengsten, 400 eigenen Stuten und Fohlen. Das Futter und das Pferdezubehör werden hier in Eigenproduktion hergestellt. Jeder Deckhengst hat sein eigenes Haus und einen riesigen Paddock. 1.700 Stuten pro Saison werden hier versorgt, gedeckt und entbunden.

Auch kulturell hat die Gegend um das Coolmore Gestüt einiges zu bieten. Das berühmteste Kulturmonument Irlands, der Rock of Cahel, bietet eine angenehme Abwechslung im Vergleich zu dem überwältigenden Eindruck von Coolmore.

Teatime in Kilcooly Abbey, ein gregorianisches Landhaus mit eigener Abtei. Im Herrenzimmer mit einer außergewöhnlichen Ahnengalerie bekommen wir heißen Tee und Kaffee, frischgebackene Scones, selbstgemachte Marmelade und leckere Sandwiches. Von der Familie Ponsonby erfahren wir die Geschichte des Hauses und des Reiterhofes. Der Hausherr ist ein bekannter Hindernisbauer und seine Frau Richterin von Vielseitigkeitsturnieren.

Der letzte Besuch dieses intensiven Tages ist das Tullibard Gestüt von Hans Kühnle. Der deutsche Pferdebetriebswirt und Vielseitigkeitsreiter wohnt und arbeitet seit 1993 in Irland. Er erklärt uns den Unterschied zwischen deutscher und irischer Zucht, Haltung und Pferdeausbildung. Hier werden gescheckte Sportponies, Jagd- und Vielseitigkeitspferde gezüchtet und verkauft.

Überraschend ist die Besichtigung einer der schönsten Reithallen Irlands. Sie wurde ausschließlich aus Holz gebaut, statt wie üblich aus Blech. Zu schnell ist die Zeit vorbei und wir fahren Richtung Osten zu unserem Hotel in Newbridge.

7. Tag, Sa., 7. Oktober 2000

Am Vormittag werden uns auf einer Stadtrundfahrt durch Dublin alle wichtigen Sehenswürdigkeiten wie Trinity College, Book of Kells, St. Patrick s Cathedral gezeigt. Danach bleibt uns noch Zeit für eine kleine Erkundung auf eigene Faust, bevor wir uns in Richtung National Gestüt begeben.

Nach einem kleinen Lunch und dem Besuch der Japanese Gardens werden wir durch das Gelände geführt. Auch hier sind wir beeindruckt von der Professionalität des Zuchtbetriebes. Wir erfahren viel über das Abfohlen und die Fohlenhaltung, wir besichtigen die Intensivstation, das Museum, die Weiden und sehen einige bekannte Deckhengste wie Desert King, Indian Ridge und deren Fohlen.

Dies ist unsere letzte Station auf einer beeindruckenden Busrundreise, bei der wir ca. 1600 km gefahren sind. Unsere letzte Nacht dieser Woche verbringen wir wieder in Dublin.

8. Tag, So., 8. Oktober 2000

In aller Frühe müssen wir Abschied nehmen und fahren mit einem letzten irischen Joke von Charley im Gepäck zum Flughafen Dublin, wo wir den Rückflug nach Deutschland antreten.

Wir haben viel erfahren, viel gesehen, viel erlebt und viel Spaß gehabt. Eine rundum gelungene Busrundreise liegt hinter uns. Irlands Landschaften, Pferde, Menschen und Kultur wurden uns von unserer herzlichen Reiseleiterin Mary Clissman, dem immer zu Witzen aufgelegten Busfahrer Charley und der engagierten Initiatorin Katja van Leeuwen nahe gebracht.

Die Autorin des Reiseberichtes Sabine Kern vermittelt selber Reiterreisen und ist spezialisiert auf Spanien und Portugal. Vertraut in iberischer Reitkultur war Irland für sie eine neue und interessante reiterliche Erfahrung.


4. Dezember 2013