Der Wüstenritt

Der Wüstenritt

9 unvergessliche Tage für 7 Erwachsene (Lumpi & Waldi, Heidi, Tanja, Wilhelm, Monika & Heinrich) und 8 Kinder (Erwin, Irmela & Tinki, Uwe, Manuela & Sandra, Reiner & Thommy) im Alter von 3 Jahren bis 14 Jahren.

6 Pferde und 2 vollbepackte Autos.

Jeweils ein Reiter musste immer das 2. Auto fahren, wobei dessen Pferd an diesem Tag als Handpferd mitging. Alles war gut durchorganisiert. Die Strecke war vorher abgefahren und Wasser, Kraftfutter und Heu in verschiedenen Depots bereitgestellt worden.

Da dies das erste Mal war, dass eine Gruppe von Reitern so einen Ritt wagte, war er voller, nicht eingeplanter, Überraschungen. Jeden Tag ein neues Abenteuer, ein neues unvergessliches Erlebnis. Der Kommentar von Freunden: „Ihr seid ja verrückt!“, oder „Das schafft ihr doch nie!“ Wir haben es trotzdem geschafft!

Losgeritten sind wir auf der Farm Hilton im Khomashochland (1750 m). Es herrschte eine Bombenstimmung und Übermut. Bereits an der ersten Raststelle erlebten wir eine Überraschung. Eines der Pferde war etwas nervös. Beim Absteigen des Reiters drehte sich das Pferd herum und schlug aus. Dabei verletzte es unseren Führer Lumpi.

Die Platzwunde am Oberschenkel drohte den Ritt zu beenden, noch bevor er richtig angefangen hatte. Aber als Krankenschwester und mit unserem gutbestückten Ersthilfekoffer hatte ich die Situation schnell wieder im Griff.

Nachdem wir Lumpi versorgt hatten hieß es: Pferd einfangen. Dies war gar nicht so einfach in dem riesigen Farmkamp und es hat uns einige Zeit aufgehalten. Deswegen kamen wir auch verspätet am Mittagskamp an, wo natürlich schon helle Aufregung herrschte und man einen Suchtrupp starten wollte.

Somit ging es weiter hoch aufs Plateau (2000 m). Auf unserem Weg passierten wir viele Hügel und Schluchten. Endlich am Lager angekommen, wurden wir von strahlenden Kindern empfangen. Der erste Tag war geschafft. Heinrich hatte das Zelt bereits aufgebaut, die Dusche aufgestellt und das Essen wartete auch schon auf uns.

Am nächsten Morgen begann der schwierigste Tag. Bergab und steil wieder bergauf, immer wieder, bis wir an dem Revierlauf ankamen, in dem wir die Hakosberge durchqueren wollten. Der Revierlauf wurde immer enger, dunkler, felsiger. Wir sahen Oryxherden, Bergzebras, Klippschliefer, ja sogar die letzten Reste eines abgestürzten Zebras. Und immer die Spannung, was kommt hinter den nächsten Biegung?

Teilweise waren die Bäume so niedrig, die Felsen so glatt, dass wir mit den Pferden am Zügel darunter durchkriechen mussten. Wir sahen Leopardenfährten und Höhleneingänge und da es langsam dunkel wurde, kamen wir nur schleppend voran.

Doch dann, nach der nächsten Biegung, jubelnde Kinder, Lagerfeuer, Wasser und Futter. Der 3. Tag war verdammt heiß. Und wieder ging es steile Berghänge hoch. An diesem Tag hatten die Fahrer eine Autopanne, was unser Programm etwas aufhielt. Aber mit Hilfe von zwei freundlichen Diplomaten wurde auch dieses Problem schnell gelöst. An diesem Abend genossen wir unsere transportable Dusche ganz besonders.

Nachts erwischte uns der Tau und am nächsten Morgen war alles nass. Dadurch kamen wir später weg, aber dennoch fröhlich, gutgelaunt und auf ausgeruhten, munteren Pferden. Mittagsrast am nächsten Farmhaus, wo die Kinder das Schwimmbad genossen, schweißten die Männer eine abgerissene Feder am Anhänger.

In der Mittagssonne ging es 25 km weiter bis zum nächsten Lagerplatz. „Kein Problem, bis Sonnenuntergang schaffen wir das locker!“ Doch oh je, der Weg nahm kein Ende, die Sonne ging schon unter, der Mond ging auf, die Straße war kaum mehr zu erkennen und noch immer kein Funkkontakt zum Lagerplatz.

Als die ersten Sterne dann am Himmel aufgingen und wir schon ganz mutlos waren, hörten wir plötzlich ein Knacken in der Satteltasche – das Funkgerät. Wir hatten Kontakt. Jubel! Nur noch 3 km. Heinrich kam uns mit dem Auto entgegen und „leuchtete“ uns den Heimweg.

Später stellte sich dann heraus , dass die 25 km – 38 km waren. Was für ein Tag. Todmüde fielen wir auf die Stretcher und schliefen ein. Als ich am nächsten Morgen als Erste erwachte, dachte ich: „Was für ein Anblick, Sonnenaufgang hinter den Bergen und Pferde auf den Hügeln“.

Pferde! Das konnten nur unsere sein. Oh Schreck, da hatten sich doch unsere Pferde losgerissen und waren wieder Richtung Heimat gelaufen. Also auf zum Frühsport, Pferde einfangen. Was für ein Stress am frühen Morgen, doch es ging trotz allem gutgelaunt weiter.

An Touristen, die aus dem Auto sprangen um uns zu filmen hatten wir uns gewöhnt, aber als dann mittags an der Kuiseb-Brücke 2 klimatisierte Leihwagen mitten zwischen unsere ruhenden Pferde fuhren und unseren so ersehnten Mittagsschlaf störten, weil sie unsere braven Pferde mit Aprikosen füttern wollten, waren wir empört. „Nichts wie weg!“

Durch den Kuiseb-Pass, über bizarre geformte Klippen, endlose Weiten und abwechslungsreiche Landschaften. Abends übernachteten wir zum ersten Mal in der Namibwüste. Die Stimmung am Lagerfeuer war einfach toll. Man spricht über Erlebtes, lacht und genießt den Abendhimmel.

Am nächsten Tag ritten wir quer durch die Wüste nach Ganab. Nur Fata Morganas; alles verschwamm beim Hinsehen – es war unbeschreiblich heiß. Mittags, endlich in Ganab, gab es eine kurze Pause. Dann ging es weiter quer durch die Namib.

Und wieder wurde es dunkel und wir ritten mitten in der endlosen Wüste, ohne Weg und ohne Licht. Als wir schon bang überlegten, wie es weit es noch sein könnte und ob der Weg auch richtig sei, sahen wir hinter dem Hügel ein Lagerfeuer. Hurra, wir hatten uns nicht verlaufen!

Und wie immer war schon alles aufgebaut. Der arme Heinrich hatte so viel Stress mit all den Kindern. Immer auf und abladen und trotzdem gut gelaunt.

Abends am Lagerfeuer erzählten uns 2 Naturschutzbeamte, die wir getroffen hatten, Schauergeschichten über Hyänen. Tapfer verkrochen wir uns später in unsere Schlafsäcke und lauschten den unheimlichen Geräuschen der Nacht.

Und wieder weiter durch die überwältigende, endlos flimmernde Wüste. Immer wieder sahen wir Wild, im einzigen Strauch ein Chamäleon, die einzigartige Welwitschia, besondere Steine – es war überwältigend! Was für ein Urlaub! Man war entspannt, unendlich weit entfernt vom Alltag, keine Hetze, kein Stress – jegliches Gefühl für Zeit und Raum ging verloren. Sorglosigkeit, Muße und Eins sein mit Pferd und Natur.

Nachmittags ritten wir in die Mondlandschaft ins Swakoptal hinunter. Eine überwältigende Landschaft. Wir waren sprachlos über so viel Schönheit. Nachmittags sollten wir am Lager ankommen. Wir kamen an, fanden den Lagerplatz, aber kein Lager! Weder unsere Fahrzeuge noch unsere Fahrer waren da.

Was war passiert? Waren wir verkehrt, oder hatten die Fahrzeuge ein Problem? Es wurde schon dunkel und kühl. Die ersten Satteldecken wurden über die Schultern gehängt und fingen an zu warten. Natürlich kamen sie dann – sie hatten sich verfahren. Die Abfahrt verpasst. Wieder war ein aufregender Tag überstanden.

Der letzte Tag – wer sieht zuerst die Dünen, wer zuerst das Meer? Die Stimmung hatte etwas Prickelndes an sich. Spannung, Erwartung, aber auch Trauer breitete sich aus, dass alles schon zu Ende ging. Nach einem fast 9 Tage langen Ritt: Sekt am Strand. Freude, Aufregung, Sorglosigkeit, Spaß – wir hatten es geschafft!

Es war erstaunlich, in welcher guten Kondition unsere Pferde waren. Gesunde Beine nach einem 400 km Ritt. Unsere Pferde fürchteten die Wellen des Meeres. Ein Pferd scheute. Ein Reiter flog ins Meer! Gelächter! Abends gab es Bratfleisch mit Freunden, Bekannten und Kollegen. Danach feierten einige bis 3.00 Uhr früh.

Am Sonntagmorgen ging es noch ein letztes Mal ohne Sattel und in kurzen Hosen oder im Badeanzug mit den Pferden ans Meer – dieses Mal sogar bis hinter die Wellen. Was für ein Erlebnis! Über eines waren wir uns alle einig: Wirklich beschreiben kann man so ein Erlebnis nicht. Man muss es einfach selbst erlebt haben!

Vielen Dank an die Autorin Monika Mayer aus Windhoek!


3. Dezember 2013