Langstreckenwander-Ritt Nordeifel-Donau

Langstreckenwander-Ritt Nordeifel-Donau

Jeder hat einmal Zweifel im Leben, der Eine mehr, der Andere weniger … So kam es auch zu meiner ganz persönlichen Pilgerreise, auf der Suche nach einer Heimat und nach mir selbst. Und zum Versuch, die Brücke zwischen meiner Vergangenheit und meiner Zukunft zu bauen.

Es war eine Reise, die mich zu Pferd und zu Fuß im sonnigen Oktober 2006 von der Eifel an die Donau führte. Unterwegs haben mich viele Menschen angesprochen, die sich für meinen Wanderritt und meine Beweggründe interessierten. Für jene schrieb ich diese Geschichte, und für die Menschen, die ich liebe. Und für mich.

Der Naturpark Nordeifel ist mein heimatliches Reitgebiet. Durch diese waldreiche Gegend bin ich schon in meiner Jugendzeit geritten. Als ich vor etlichen Jahren das Wanderreiten für mich entdeckte, wurden die Ritte immer ausgedehnter. In den Jahren 2004 bis 2006 war unser Burgholzer Hof in Stolberg eingetragene Stationsnummer 24 im Verein „Eifel zu Pferd“.

Natürlich nutze ich selber gerne den Service der Stationskollegen. Innerhalb eines Tagesrittes lässt sich in einem flächendeckenden Wanderreitstationsnetz bequem das nächste Nachtquartier für Ross und Reiter erreichen.

Man kann sicher sein, alles Notwendige für sich und sein Pferd vorzufinden, was eine enorme Planungserleichterung für einen Wanderritt ist. Auch auf Annehmlichkeiten wie eine tägliche Dusche, reichhaltiges Frühstück und warme Abendmahlzeiten braucht man nicht zu verzichten.

Außerdem kommt man auf diese Art leicht mit einem Minimum an Gepäck aus. Dieses kann man sich nach Absprache sogar von den meisten Stationen transportieren lassen. Alle Quartiere hatte ich vorausgebucht, ab dem 8. Reittag immer mit der Option, möglicherweise einen Tag später anzukommen, falls Miri und ich mal eine Pause brauchen.

Meine Route führte mich durch reizvolle Landschaften deutscher Mittelgebirge, zunächst von der Nordeifel südlich von Aachen bis zur Mosel, durch den Hunsrück und das Nordpfälzer Bergland. Anschließend ließ ich meine Haflingerstute und mich nach einem geplanten Pausentag durch die Rheinebene in den Odenwald transportieren, in dem ich schon immer einmal reiten wollte.

Durch den Odenwald führte mein Weg weiter ins Bauland, und durch den Schwäbisch-Fränkischen Naturpark, von dort aus weiter durch das Ferienland Donau-Ries, über die Schwäbische Ostalb bis ins Donauried bei Dillingen.

Nordeifel 1.-3.Oktober

  • Stolberg – Zerkall – Wintzen – Esch

Der Tag des Abschieds und des Aufbruchs war gekommen. Alles wurde zum letzten Mal gecheckt: Landkarten, Ausrüstung, Gepäck, Papiere, Geld. Zum letzten Mal wurden die Pferde an ihrem alten Anbindeplatz vorbereitet. Haflingerstute Miriam, das erfahrenste meiner Pferde, war für vier Wochen Ritt bepackt. Über 700 km durch schöne Mittelgebirgslandschaften Deutschlands lagen vor uns.

Mein treues Reitmädel Steffi, jahrelang hatte sie meine Pferde gepflegt und jedes davon immer wieder einmal geritten, begleitete mich in den ersten 3 Tagen bis an die Ahr auf Miris Stallgefährtin Nerva. Mit gemischten Gefühlen verließen wir erst mittags den Hof, nach einer letzten Umarmung noch ein Blick zurück und dann vorwärts, den dicken Kloß im Hals würgten wir tapfer hinunter.

Durch den ausgedehnten Hürtgenwald bis Zerkall, wo sich die Täler der Kall und der Rur begegnen, wanderten wir so manchen Höhenmeter hinauf und hinunter. Der zweite Reittag führte zunächst durchs gewundene Rurtal vorbei an Burg Nideggen, die hoch über dem Fluss majestätisch auf ihrem Buntsandsteinfelsen thront. Eingehüllt in Regenponchos zogen wir über windige Höhen mit weiter Aussicht und verschwanden in einsamen Wäldern.

Da wir unsere Pferde auch immer wieder ein Stück führten, hatte ich am Nachmittag dicke Blasen an den Fersen, die sich später sogar entzünden sollten. Ich werde nie wieder mit kaum eingelaufenen Trekkingstiefeln auf solch einen Wanderritt gehen, würde auch unbedingt sofort den Trick mit den zwei Paar Socken anwenden, denn die Folgen neuer Schuhe werden mir in schmerzhafter Erinnerung bleiben …

Am Abend des dritten Tages erreichten wir, vorbei an Kloster Steinfeld und dem Eifelort Marmagen mit seinem zauberhaft mediterranen Licht, die wunderschönen Wacholderheiden der Ahreifel.

Ahreifel, 4.-5. Oktober

  • Esch – Dorsel – Baar/Büchel

Morgens zum Frühstück traf mein Sohn Michael mit dem Pferdetransportanhänger ein, um Steffi und meine kleine Stute Nerva mit zurück nach Hause zu nehmen. Vorher ließ ich mir von ihm noch mein Gepäck zur nächsten Station vorausfahren, so konnte sich meine Miriam ohne zusätzliche Last an das Alleinsein mit mir gewöhnen.

Durch das liebliche Lampertstal mit seinen ebenen Wiesenwegen und dem Tal der Ahr ostwärts folgend, erreichten wir am Nachmittag nach Durchreiten des Flusses unser Nachtquartier.

Tags darauf machten wir uns auf den Weg in die Hocheifel, wo wir zwischen der Hohen Acht – mit 747 m die höchste Erhebung der Eifel – und dem weltbekannten Nürburgring, die spitzen Erhebungen und tiefen Täler der Vulkaneifel bewältigten.

Um Miri, die inzwischen wieder voll bepackt war, zu schonen, führte ich bergab und ließ mich bergauf tragen. Bergauf laufen wäre zu schmerzhaft gewesen, denn meine Fersen waren trotz der Versorgung mit Blasenpflastern immer wunder geworden.

Hocheifel und Moseleifel, 5.-8.Oktober

  • Baar/Büchel – Weiler – Roes – Brodenbach

Vorbei an Naturschutzgebieten mit Wacholderheiden ging unsere Reise weiter der Mosel entgegen. Allmählich wurde das Gelände wieder weniger anstrengend, der härteste Teil der Strecke lag hinter uns. Am Morgen des 7. Oktober kam mein Lebensgefährte Andy aus Bayern angereist, um Miri und mich ein paar Tage zu besuchen, das Gepäck im Auto zu transportieren, Mittagspicknicks herzurichten und sich einen der schönsten Landstriche der Eifel genauer anzusehen.

Ohne Gepäckberge durchwanderten mein Pferd und ich den hübschen Fachwerkort Monreal mit mittelalterlicher Burgruine und das wildromantische Elztal, wo wir an einer malerischen Klosterruine gemeinsam picknickten.

Weiter ging es dann für Miri und mich auf die Höhe über dem Elzbach, denn das Tal ist für Reiter mit Vorsicht zu genießen – vor Jahren war hier ein Pferd aus der Gruppe eines Wanderreitkollegen abgestürzt, wenn auch zum Glück ohne größere Verletzungen.

Am Abend zogen wir vorbei an Burg Pyrmont zum Weiler Pyrmonterhöfe bei Roes, unserem Nachtquartier, von wo aus Andy und ich ins Tal fuhren. Dort waren wir im Gasthaus der Pyrmonter Mühle zum Abendessen verabredet.

Der nächste Reittag führte, ebenfalls ohne Gepäck, erneut an der Burg Pyrmont vorbei und am anderen Ufer des Elzbaches hinauf auf die Höhe des Maifeldes. In diesem fruchtbaren, sanftgewellten Landstrich hatte ich bei klarem, sonnigem Wetter ausgezeichnete Fernsicht auf die Erhebungen von Eifel, Hunsrück und Westerwald.

Während Miri und ich uns allmählich der Mosel näherten, konnte Andy einen Blick auf Burg Eltz werfen – den Inbegriff deutscher Burgenromantik. An einer hoch oben über dem Moseltal gelegenen, stillen Kapelle trafen wir uns dann zum Picknick wieder, bevor wir uns über die Löfer Brücke an die Überquerung des Flusses machten.

Entlang der Mosel fanden wir bald darauf den Einstieg ins Ehrenburger Tal, über dem die Ehrenburg mit ihrem mächtigen Doppelturm wacht. Hier endete mein Weg durch die Eifel und der Ritt durch den Hunsrück begann.

Hunsrück und Nordpfälzer Bergland, 9.-13. Oktober

  • Brodenbach – Schnellbach – Holzbach – Gebroth – Norheim – Marienthal

Ab hier ging Miris und meine Reise ohne Andy weiter, wir hatten wieder täglich volles Gepäck dabei. Nun nutzten wir die Reitstationen von „Hunsrück zu Pferd“ und „Pfalz zu Pferd“. Diese Region ist sehr dünn besiedelt, es handelt sich um das Land des Schinderhannes und die Wälder des Jägers aus Kurpfalz. Kaum einer Menschenseele begegneten wir unterwegs.

Im gespenstisch stillen Soonwald musste ich mich einmal mit Hilfe des Kompasses neu orientieren und traf etwas später gar auf einen Spaziergänger, der außer einem Paar Sportschuhen keinen Fetzen Textilien am Körper trug. FKK-Wandern, man stelle sich so etwas mal in belebteren Regionen vor – ts ts …

Über luftige Höhen und durch die Weinbaugebiete von Nahe- und Alsenztal gelangten wir schließlich an den Donnersberg, auf dessen Höhe mit 687 m der höchste Punkt der Pfalz liegt. Hier legten wir einen Pausentag ein, Andy kam zu Besuch und mein Sohn Michael brachte uns den Pferdeanhänger.

  • Marienthal – Abtsteinach/Mackenheim

Den wohlverdienten Ruhetag verbrachte Miri auf der Koppel, während Andy, Micha und ich den Donnersberg erkundeten, auf dem Reste mächtiger keltischer Wallanlagen erhalten sind. Nachmittags besichtigten wir noch einen Keltengarten in Steinbach am Fuß des Donnersberges.

Tags darauf wurde mein tapferes Pony verladen, Andy brachte uns zu unserem Startpunkt im Odenwald. Als wir durch die Rheinebene fuhren und die Höhenzüge des Odenwaldes mächtig über uns aufragten, war ich versucht, den Ritt abzubrechen. Die bisher zurückgelegten 13 Reittage waren doch ziemlich anstrengend gewesen. Wie froh bin ich heute, dass ich durchgehalten habe!

Odenwald und Bauland, 15.-19. Oktober

  • Abtsteinach/Mackenheim – Mossautal/Hüttenthal – Strümpfelbrunn – Bödigheim – Adelsheim

Der Wanderritt durch den Odenwald erwies sich als weniger beschwerlich, als zunächst angenommen. Anders als in der Hocheifel konnte ich hier langen Talpassagen oder Höhenrücken folgen.

Allerdings war die Rittvorbereitung aufwändiger gewesen, da es hier noch kein organisiertes Wanderreitstationsnetz gab. Über den regionalen Tourismusverband hatte ich eine Broschüre für Landurlaub erhalten. Aus diesem Verzeichnis waren allerdings nur einige wenige Gastgeber bereit gewesen, sowohl mich als auch mein Pferd unterzubringen. Diesen sei an dieser Stelle besonders gedankt.

Durch tiefe Wälder mit moosbewachsenen Felsbrocken, die Jagdreviere der sagenhaften Nibelungen und vorbei am Katzenbuckel, mit 626 m des höchsten Berges des gesamten Odenwaldes, setzte ich meine Reise zu Pferd bis in die sanft gewellten Hügel des Baulandes fort.

Hohenloher Land und Schwäbisch-Fränkischer Naturpark, 20.-24. Oktober

  • Adelsheim – Langenbrettach – Mainhardt – Rosengarten – Bühlertann – Jagstzell

Hier begann das Reitstationengebiet von „Reiten zwischen Main und Donau“. Wie zuvor von der Eifel bis in die Pfalz konnte ich eingetragene und qualitätsgeprüfte Wanderreitstationen innerhalb eines Tagesrittes erreichen. Miri trug mich auf Römerspuren über den Limesweg und durch die tief eingeschnittenen Flusstäler von Jagst und Kocher.

Durch Weinberge an der Brettach erreichten wir den weitläufigen Mainhardter Wald, wo wir Wasserbüffel auf der Weide beobachteten und uns im Herabrutschen eines Steilhanges übten. Auf dem Pferdehof Dendelbach in Rosengarten besuchte uns Andy, um zu prüfen, wie wir zurechtkamen.

Er sah recht zufrieden mit uns aus, konnte aber leider nicht lange bleiben. Über die Limpurger Berge gelangten Miriam und ich ins liebliche Bühlertal, wo ich es morgens in Bühlertann schaffte, eine Kontaktlinse im Abfluss meines Waschbeckens zu versenken. Zum Glück hatte ich Ersatz im Gepäck …

Nach einer weiteren Überquerung des Kochers zogen wir durch eine schöne Feld-, Wald- und Wiesenlandschaft und kamen schließlich erneut an die Ufer der Jagst.

Donau-Ries, Schwäbische Ostalb und Donau, 25.-29. Oktober

  • Jagstzell – Stödtlen- Kirchheim am Ries – Reimlingen – Unterringingen – Schwenningen

Nachdem wir wieder einmal die Jagst überquert hatten, machte es meinem inzwischen gut durchtrainierten Hafi und mir, ebenfalls durchtrainiert und, trotz bester Verpflegung, einige Kilogramm leichter, wenig Mühe, die bewaldeten Höhen des Virngrundes zu überwinden. Hier wurde mir an einem von farbenprächtig belaubten Bäumen umstandenen Waldweiher bewusst, welch ein Glück ich doch hatte, diesen langen Wanderritt erleben zu dürfen.

Nach der Unterquerung der A7 – einige Tage vorher hatten wir bereits nacheinander die A81 und die A6 bewältigt – war es nicht mehr weit bis ins vor Jahrmillionen durch Meteoriteneinschlag entstandene Ries.

Im flachen Kessel des Rieskraters sahen wir die ersten vom Herbstwind völlig kahlen Laubbäume und erkannten in der Ferne die markant abgeflachte Erhebung des Ipf, eines ehemals keltischen Fürstensitzes, und das stolze Schloss Baldern hoch oben auf steilem Bergkegel.

Die Ofnethöhlen in einer Karsterhebung besuchten wir, ebenso wie die frühmittelalterliche Burgruine Niederhaus über dem Forellenbachtal. Zuletzt blieben uns noch die Höhenzüge des Rieskraterrandes und die Ausläufer der Schwäbischen Alb zu überwinden, bevor wir nach 27 Reittagen und rund 750 km zurückgelegter Strecke über Berg und Tal unser Ziel, die Donauebene erreichten.

Ich war schon ein wenig stolz auf meine Miri, hat sie doch an den allermeisten Tagen das Gepäck und oft genug auch mich geschleppt. Aber ich war auch ein wenig traurig, dass dieser wunderschöne Ritt nun zu Ende ging, hätte ich doch noch lange so weiter ziehen mögen.

Der Langstreckenwander-Ritt Nordeifel-Donau war eine wertvolle Lebenserfahrung für mich. Er hat mir geholfen, mit mir selber ins Reine zu kommen und mich um so viele Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen reicher gemacht. Für vier Wochen habe ich einen Traum gelebt.

Wer Genaueres über den Ritt erfahren möchte, darf sich gerne unter www.wanderreiten-nordeifel-donau.de dazu informieren.


27. November 2013

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