Meine Erlebnisse auf dem Red Rock Ride


Meine Erlebnisse auf dem Red Rock Ride

Als ich vor zwei Jahren das erste Mal in den USA war, wollte ich auf jeden Fall einige Trailrides mitmachen. Ich dachte mir, dass in den National Parks mit Sicherheit so was angeboten wird. Meinen ersten einstündigen Trailride habe ich dann im Zion National Park gemacht. Danach bin ich auf den Geschmack gekommen und habe direkt am nächsten Morgen die dreistündige Tour mitgemacht.

Als nächste Station war der Bryce Canyon geplant, wo ich auf jeden Fall auch einen Trailride durch den Canyon machen wollte.

An dem Schalter in der Bryce Canyon Lodge, wo ich das Ticket für den Ausritt bekam, habe ich dann zwei verschiedene Broschüren gesehen aus denen hervorging, dass die „Firma“, die die Ausritte im Bryce Canyon National Park macht, auch die Trailrides im Zion National Park und am Grand Canyon North Rim macht.

Die zweite Broschüre war sogar noch interessanter, es ging um einen siebentägigen Reiturlaub durch die wunderschöne Landschaft in Süd Utah und Nord Arizona. Also habe ich diese Broschüre auf jeden Fall mal mitgenommen. Auf der Broschüre gab es auch eine Internetseite für diesen Trip, die ich, zu Hause angekommen, sofort absurfen musste.

Nachdem ich mir die Sache reichlich überlegt hatte, stand für mich fest, dass ich im nächsten Jahr einen Trip mitmachen würde. Als ich das Anmeldeformular gefaxt hatte, bekam ich per E-mail die Empfangsbestätigung und die Nachricht, dass ich in den nächsten Wochen einen Brief mit dem entsprechenden Informationsmaterial zugesendet bekomme. Wo man abgeholt wird, was man mitnehmen sollte, auch über die Risiken wurde aufgeklärt. Als ich dann auch noch den Flug nach Las Vegas und ein Motelzimmer gebucht hatte, konnte nichts mehr schief gehen und ich fing an, die Wochen zu zählen.

Endlich war der lang ersehnte Tag des Abflugs gekommen. Als ich dann endlich in Las Vegas ankomme, habe ich noch etwas Zeit, die letzten Dinge für meinen Cowboy-Urlaub in einem Western Store zu besorgen. Am Sonntag, einen Tag bevor es richtig los geht, gibt es noch ein kleines Meeting in einem Motel in Las Vegas, wo man schon mal zwei Leute von der Crew und noch einige andere Urlauber kennenlernt, dann wird noch die kommende Woche besprochen.

Am Montagmorgen geht es dann endlich in aller Frühe los. Nach einer knappen Stunde Fahrt kommen wir in Mesquit, nord-östlich von Las Vegas, an, wo wir uns mit einem guten Frühstück für den Tag stärken. Das Frühstück, wie auch später das Mittagessen außerhalb des Camps, sind natürlich im Preis inbegriffen.

Nach insgesamt etwa dreieinhalb Stunden Fahrt kommen wir am Zion National Park an. Bevor es dann endlich auf die Pferde geht, gibt es noch ein Mittagessen zur Stärkung. Dann geht es für drei Stunden durch die schöne Landschaft des Zion National Parks und wir bekommen das erste Cowboyfeeling.

Danach fahren wir weiter Richtung Bryce Canyon zu unserem Camp. Das Camp liegt im Kodachrome Basin State Park, südlich vom Bryce Canyon. Nach dem langen ersten Tag freue ich mich schon riesig auf das Abendessen. Im Camp angekommen wird erst mal das Gepäck aus den Vans geholt und wir verteilen uns auf die vorhandenen Zelte. In den Zelten befinden sich Bettgestelle mit Matratzen, auf die man den Schlafsack legen kann. Wer es vorzieht, kann auch auf dem Boden schlafen. Es sind drei Toiletten und drei Duschen vorhanden, heißes Wasser gibt es so viel man braucht. Das Lagerfeuer ist bereits vorbereitet. Und um den ersten Hunger zu stillen, sind jede Menge Snacks aufgetischt, am Grill werden schon die ersten Steaks zubereitet. Dazu gibt es dann Bohnen und Kartoffeln mit Zwiebeln.

Das Essen stellt sich als vorzüglich heraus. Kein Wunder, die Houstons, die für die Verpflegung verantwortlich sind, haben ein Restaurant in Kanab, Utah, und bekochen außerdem die amerikanischen Forest Firefighter in Krisengebieten überall im Westen der USA. Sie sind seit über 25 Jahren im Geschäft.

Die Mangums sind verantwortlich für die Pferde. Sie züchten unter anderem auch selber und kennen ihre Tiere so gut, dass sie für jeden das richtige Pferd oder Maultier finden.

Nach dem Abendessen versammeln wir uns um das Lagerfeuer, es wird langsam kühler. Dann muss sich jeder vorstellen und es wird noch ein kleines Spielchen gemacht, um die Atmosphäre aufzulockern. In der Nacht wird es sehr kühl, aber zum Glück ist für Leute wie mich, die einen nicht ausreichend warmen Schlafsack mitbringen, gesorgt. Es gibt zusätzlich Decken oder Schlafsäcke.

Am nächsten Morgen geht es nach einem typisch amerikanischen Frühstück (mit Speck, Eiern, Toast oder Müsli und Kaffee so viel man will) zum Bryce Canyon. Die Landschaft ist traumhaft schön und von manchen Stellen hat man eine atemberaubende Aussicht. Die in einer scheinbar unendlichen Palette an Orangetönen vorhandenen Felsen geben einen tollen Kontrast zu dem tief blauen Himmel.

Nach etwa vier Stunden kommen wir an einem Seiteneingang vom Bryce Canyon aus, dort stehen ein paar Pick Ups, auf dessen Ladeflächen das Mittagessen auf uns wartet. Es gibt Lasagne, Salat, Brot, Cola, Wasser, Chips, Bier, was man haben möchte.

Nach ca. einer Stunde geht es weiter. Wir schwenken vom Weg ab und reiten einen leichten Abhang hoch. Es fehlen nur noch die riesigen Rinderherden, die man vor sich her treibt. Wer übrigens aus irgendeinem Grund den Rest des Wegs nicht mehr mit dem Pferd zurücklegen möchte, kann sein Pferd in einen der Trailer verfrachten lassen, und fährt mit den Vans zurück.

Nach einem etwa sechsstündigen Ausritt für diesen Tag sehen wir von weitem schon die Vans, Pick Ups und Trailer und wir fahren zurück ins Camp, wo ich mich schon auf eine heiße Dusche freue, und natürlich auf das Abendessen. Am Abend kommt der Sheriff ins Camp und unterhält uns mit etwas Country Karaoke Musik, während es langsam dunkel wird und das Lagerfeuer vor sich hin knistert.

Am nächsten Morgen geht es weiter mit dem längsten Ritt. Wir packen unsere Lunchpakete, da der Weg unzugänglich für die Autos ist, die uns sonst mit Essen versorgen. Die Strecke führt durch das Flussbett des Paria Rivers. Das Wasser ist nicht besonders hoch und das Flussbett ist von hohen Felsen umgeben. An manchen Stellen kann man alte Felsmalereien der Indianer bewundern.

An einer Stelle mit einigen schattenspendenden Bäumen machen wir Mittagspause und essen unsere Lunchpakete. Danach geht es weiter. Auf dem ganzen Weg sind wir niemandem begegnet.

Gegen vier Uhr hören wir von weitem ein Motorgeräusch. Es ist Robert Houston mit seinem ATV und einer riesigen Kühlbox hinten drauf. Es gibt Eis für jeden, genau das Richtige an einem so langen und warmen Tag. Etwas später kommen wir an einer kleinen, alten Geisterstadt, an der wohl auch schon Filme gedreht wurden, und rötlich „gestreiften“ Hügeln aus Sandstein vorbei.

Dann erreichen wir die Vans und wir fahren nach Kanab. Das Abendessen gibt es heute in dem besagten Restaurant der Houstons. Es ist wie immer ausgezeichnet. Da es ein langer Tag war und die Fahrt ins nächste Camp noch mal knapp zwei Stunden dauern würde, übernachten wir in einem Motel in Kanab.

Nach einem Frühstück im Houston’s Trail End Restaurant geht es dann in das nächste Camp. Es liegt in der Nähe der Arizona Badlands, nahe am Grand Canyon North Rim. Wir verbringen den Vormittag im Camp. Nach dem Mittagessen geht es vom Camp aus mit den Pferden los, Richtung S.B. Point am Grand Canyon, wo wir dann auch zu Abend essen. Dann geht es mit einem unvergesslichen Ritt durch die Dunkelheit zurück zum Camp.

Der Nachthimmel ist unglaublich schön und da sich weit und breit nicht eine Stadt befindet, kann man sogar die Milchstraße und auch einige Sternschnuppen sehen. Nachdem wir alle noch am Lagerfeuer gesessen haben, geht auch dieser Tag vorbei.

Am Freitag geht es wieder in aller Frühe los über die Arizona Strip Badlands. Wie auch bei dem Ritt durch den Paria River sind wir auch die letzten zwei Tage niemandem begegnet. Es geht über ein paar Hügel, bewachsen mit kleinen Büschen, wie man es aus vielen Western kennt. Die Schönheit der Landschaft wird nur ein bisschen durch die Tatsache getrübt, dass wir schon über die Hälfte der Woche hinter uns haben.

Am Abend kommen die Red Rock Wrangler ins Camp, die uns mit Country Musik und Cowboy Poetry unterhalten. Am Samstag, dem letzten Ritt, geht es noch mal mit den Vans und Trailern zum Ausgangspunkt. Mit den Pferden geht es dann weiter zum Toroweep Overlook am Grand Canyon. Dort geht es etwas mehr als dreihundert Meter steil in die Tiefe. Ein toller Blick auf den Colorado River.

Nach dem Mittagessen reiten wir zurück, es ist leider schon der letzte Ritt. Im Camp angekommen wird über die tollen Erlebnisse der viel zu schnell vorübergegangenen Woche erzählt, während in der Küche das letzte Abendessen zubereitet wird.

Zum Abschied wird noch mal was ganz besonderes aufgetischt und die Red Rock Wrangler geben ihren letzten Auftritt für diesen Trip. Wir sitzen noch lange am Lagerfeuer und irgendwie will an diesem Abend niemand so recht ins Bett gehen.

Am nächsten Morgen geht es dann das letzte Mal in die Vans, wir fahren zurück nach Las Vegas. Ich habe eine Zimmerreservierung in dem Motel, in dem wir uns vor einer Woche das erste Mal getroffen haben. Zum Glück sind noch ein paar andere von der Gruppe dort einquartiert, so dass wir noch alle zusammen im mexikanischen Restaurant nebenan zu Abend essen können.

Leider ist die Woche viel zu schnell vorübergegangen, aber trotzdem kommt mir die Zeit länger als eine Woche vor. Wahrscheinlich wegen der vielen Eindrücke und Erlebnisse.

Nach dem Urlaub habe ich noch jede Menge Fotos von verschiedenen Leuten zugeschickt bekommen. Auch von den Organisatoren werden immer Fotos gemacht und ein Video gedreht. Man braucht sich also keine Sorgen zu machen, wenn man selber mal nicht zum Fotografieren kommt.

Dieses Jahr im September habe ich meinen zweiten Ritt mitgemacht. Es war ein Reunion Ride, der alle zwei Jahre für Leute gemacht wird, die schon mal mitgeritten sind. Die Strecke ist eine andere, aber mindestens genauso schön. Ich habe sieben Leute vom letzten Jahr wiedergetroffen, ein tolles Erlebnis, sie nach zwölfmonatigem Email-Kontakt wiederzusehen. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Wiedersehen!

Wir danken der Autorin Uschi Niedecken für ihren Beitrag!


4. Dezember 2013

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