Reitsafari in Tansania – Ein unvergessliches Erlebnis

Reitsafari in Tansania – Ein unvergessliches Erlebnis

Als ich mich für eine Reitsafari am Fuße des Kilimanjaro entschied, hatte ich dafür mehrere Gründe: die Reitstrecken führen durch die eindrucksvollsten Landschaften Ostafrikas, durch den Urwald des Kilimanjaro-Naturschutzgebietes mit seiner vielseitigen Flora und Fauna, über endlose Dornenbusch-Savanne, sowie über offenes Grasland.

Natürlich wollte ich auch Tieren in freier Wildbahn begegnen, einen Hauch von Abenteuer erleben. Ich wollte auf jeden Fall einen Überlandritt einschließlich Trab und Galopp, keine Schlange von Touristen im schläfrigen Schritttempo.

Und endlich war es soweit. Nach 8 Stunden Flug landeten wir am KIA (Kilimanjaro International Airport). Wir, das waren sechs Reitbegeisterte und Naturliebhaber aus Deutschland, welche mit Elisabeth und Laszlo acht Tage quer durch die faszinierendste Landschaft Ostafrikas reiten wollten.

Elisabeth und Laszlo waren unsere Gastgeber, die uns schon am Flughafen einen herzlichen Empfang bereiteten. Nach nur 30 Minuten Fahrt erreichten wir die Farm, Makoa Estate. Es war schon längst dunkel und zu spät, um die Pferde zu sehen und wir entschwanden nach und nach in unsere Zimmer. Die Stimmen von Vögeln und Fledermäusen, Fröschen und Grillen begleiteten unsere Träume.

Babsi – eine Reiterkameradin – weckte uns am frühen Morgen mit einem schrillen Schrei: „Verdammt, es regnet!“ Als wir unsere Augen öffneten, empfing uns strahlender Sonnenschein und ein unbeschreiblicher Blick auf den Mt. Kilimanjaro. Was Babsi irrtümlich als Regen identifiziert hatte, war das Plätschern des kleinen Baches, der neben dem Farmhaus vorbei fließt.

Nun wollten wir aber die Pferde sehen! Eli und Laszlo waren schon vor uns da, die beiden leben förmlich mit ihren Pferden. Da sich die ehemaligen bayerischen Distanzreiter von keinem ihrer sechs Pferde trennen konnten, flogen diese beim Umzug nach Tansania alle mit. Die restlichen Pferde stammen aus Kenia oder Simbabwe. Es sind schöne Tiere, insgesamt 18 Stück: Trakehner, Vollblüter, Angloaraber, Achal-Tekkiner und Vollblutkreuzungen. Die Pferde sind sehr gut trainiert und in bester Kondition.

Das merke ich an Sayonara, der zwölfjährigen Adlerschild Tochter aus dem Stall des bekannten bayerischen Vielseitigkeitsreiters Franz Hörmiller aus Kaufbeuren. Sie ist einfach ein Traum von Pferd und die Gänge – unglaublich! Mein Dressurreiterherz schlägt Kapriolen. Sie ist äußerst temperamentvoll, gleichzeitig aber absolut zuverlässig. Sie reagiert sensibel auf Gewichtsverlagerung. Die Galoppaden mit ihr über die Savanne sind einfach großartig! Was für ein Jammer, so ein Pferd nur im afrikanischen Busch zu reiten!

Nach dem ausgiebigen Frühstück – alles aus eigenen Farmprodukten – geht es nun zur Sache. Die Pferde sind gesattelt, die Gruppe ist vollzählig, wir starten zu einem Einstimmungsritt um die Farm ein wenig kennenzulernen. Unsere Gastfarm ist eine 160 Hektar große, gemischte Farm mit Kaffeeplantagen sowie Saatbohnen- und Blumensamenproduktion und die zahlreichen Haustiere, außer Pferden noch Rinder, Schweine und verschiedenes Federvieh, verleihen der Farm ein nostalgisches Bauernhof-Ambiente.

Angeschlossen ist eine Tierklinik mit Urlaubstier-Unterbringung, wo allerlei Patienten, oft auch Haus- und Wildtiere, aber auch mal zweibeinige Patienten behandelt werden. Die Farm wird von einem Gras- und Buschlandgürtel umsäumt, welcher den Pferden und Rindern als Weidegrund dient, in dem aber auch spielende Meerkatzen und Paviane sowie kleinere Gazellen wie Dikdik, Ducker, Busch- oder Riedböcke und eine bunte Vogelwelt zu beobachten sind. Es ist auch der Lebensraum von den nachtaktiven Erdferkeln, Stachelschweinen und Schakalen, die tagsüber allerdings selten zu sehen sind.

Bis Mittag hatten wir Zeit, um ein Gefühl für die Pferde zu bekommen und unsere Gastgeber konnten sich ein Bild vom Können jedes einzelnen Reiters machen. Zwei Reiter hatten ihre Pferde ausgetauscht und waren von ihren Neuen restlos begeistert. Ich hätte meine Sayo sowieso nicht hergegeben!

Nach dem Mittagessen fuhren wir gemeinsam mit den Pferden zum Ausgangspunkt der Safari, zur Kifufu-Farm (eine Kaffeefarm direkt am Kilimanjaro-Forest). Das englische Farmerehepaar empfing uns wie alte Bekannte und wir genossen unser kühles Bier und den farbenprächtigen afrikanischen Sonnenuntergang auf der Farmhausterasse!

Am nächsten Tag ging es dann richtig los. Wir verließen Kifufu und ritten durch das üppige Waldnaturschutzgebiet am Kilimanjaro, überquerten ein tiefes Flusstal und folgten engen, verschlungenen Pfaden durch den Wald. Nachmittags wandelte sich die Szene, unser Weg führte über Farm- und Ranch und wir erfreuten uns an den herrlichen Ausblicken auf Mt. Meru und auf die Ebene westlich des Mt. Kilimanjaro.

Schon bald erkannten wir, dass die Gewohnheit, jede Stunde das Pferd für 10 Minuten zu führen, nicht nur dem Pferderücken, sondern auch der eigenen Muskulatur sehr entgegenkam.

Müde, aber mit vielen neuen Eindrücken erreichten wir unser Nachtquartier, das Gästehaus der Namuai-Farm (eine Getreidefarm, ebenfalls an den Kilimanjaro-Forest anschließend), wo schon ein gedeckter Tisch mit einem umfangreichen Menü auf uns wartete. Bald wurde es still um uns und nur das langgezogene „huuuii“ der Streifenhyänen begleitete uns im Schlaf.

Am nächsten Morgen starteten wir zum Dschungelritt. Er führte vom Farmhaus durch den Kilimanjaro-Tropenwald zur Wasserquelle der Farm, die wir zum Mittagspicknick erreichten. Wir ritten durch den Urwald mit seiner vielseitigen Flora und Fauna. Rechts und links steht das Grün wie hohe Mauern. Darüber ein von tausenden Pflanzen gebildetes Gewölbe, so hoch, dass man es selbst auf dem Pferd stehend nicht mit der Panga (Buschmesser) erreichen kann.

Diese Mauern bestehen aus einer undurchdringlichen Verflechtung verschiedener Vegetationsarten: Büsche, Bäume und Lianen, deren Geflecht bis zu 6 – 8 Metern Höhe emporwachsen. Darüber die großen, majestätischen Wipfel der Riesenbäume, die sich in 20 bis 30 Metern Höhe immer noch höher strecken, um Sonne zu finden. Aber während ihre Gipfel im Licht baden, deckt das dichte Blattwerk ihrer Seitenäste wie ein Dach alles darunterliegende ab und lässt nur wenig Licht durchsickern.

Der Wald ist natürlich nicht nur ein Paradies für den Botaniker. Die wunderschönen schwarz-weißen Colobus-Affen spielten über uns und wir staunten über ihre wagemutigen Sprünge. Wir begegneten auch mehreren Gruppen von Meerkatzen, sahen Buschböcke über den Pfad huschen und hörten einmal aus der Nähe, wie sich Elefanten untereinander verständigten. Zeugnisse ihrer Anwesenheit fanden wir auch auf unserem Pfad, was schon eine ganze Menge Magenkribbeln hervorrief – wir waren uns nicht so sicher, ob wir schon jetzt Elefanten zu Pferd treffen wollten. Abends kehrten wir zur Namuai-Farm zurück, wo wir wieder die Nacht verbrachten.

Der nächste Tag begann mit einem ausgiebigen Sekt-Frühstück, bevor wir dann die Namuai-Farm in nordwestlicher Richtung verließen. Das Landschaftsbild änderte sich und wir ritten in einer Mischung aus offenem Grass und Dornenbusch-Savanne. Wir sahen viel kleineres Wild: Thomson- und Grantgazellen, Ducker, Dikdik sowie Strauße, Trappen und die stolzierenden Sekretärvögel. Ein junger Schakal verspeiste nur wenige Meter von uns entfernt eine frisch gefangene Maus.

Nach einer langen Mittagsrast unter Akazienbäumen ritten wir weiter zu unserem Nachtquartier am Euphorbia-Hill. Sonderbare Kakteenbäume prägen die hügelige Landschaft. Vom Hügel aus bot sich eine phantastische Aussicht auf die weite Ebene, sowie auf den Mt. Meru und Mt. Kilimanjaro.

Nach einer heißen Dusche genossen wir das reichhaltige Abendessen mit Rotwein unter dem grandiosen Sternenhimmel Afrikas und lauschten noch lange am Lagerfeuer sitzend den Stimmen der Natur.

Am frühen Morgen nach einer Tasse Kaffee um die Restmüdigkeit zu verscheuchen brachen wir auf, um die unbeschreiblich schöne Sonnenaufgangsstimmung auf dem Pferd zu genießen. Wir ritten durch Buschland weiter in nord-westlicher Richtung und machten unterwegs halt, um unsere eingepackten Frühstückspakete zu verspeisen.

Plötzlich blickten die Pferde etwas erregt in eine Richtung, unser Herz blieb fast stehen! Zwei riesige Elefantenbullen standen unter einem Akazienbaum, nur etwa 20 Meter von uns entfernt. Der Wind war ungünstig, blies uns von hinten in den Nacken und die Elefanten wurden etwas unruhig. Wir entschlossen uns zum sicheren Rückzug, was sie anscheinend beruhigte und woraufhin sie ihre Siesta fortsetzten. In angemessen großem Bogen zu den Elefanten ritten wir vorsichtig weiter, bis wir eine riesige Grasebene er reichten.

Wir waren uns bewusst, dass wir nicht im Zoo reiten, wo man an jeder Ecke das hierfür bestimmte Tier findet, sondern dass die Tiere über große Strecken wandern und zum Gameviewing immer auch etwas Glück gehört. Deshalb war unsere Freude umso grösser, als wir schon von weitem Zebra- und Gnuherden entdecken konnten. Langsam näherten wir uns, sahen Gruppen von Elenantilopen, Wasserböcken und Impalas, beobachteten in unmittelbarer Nähe majestätisch schreitende Giraffen und Warzenschweine. Sie alle teilten ihr Weidegebiet mit den Massaiherden, manchmal mischten sich sogar Rinder und Zebras, keiner schien sich am anderen zu stören.

Wir genossen unsere Mittagspause unter einem Baum mit dem Bewusstsein, ein Teil des Ganzen zu sein. Am Nachmittag kreuzte dann eine Gruppe von elf Elefanten mit zwei ganz jungen Kälbern unseren Weg und wir konnten die langsam vorbei ziehenden Tiere noch lange mit den Augen verfolgen. Spätnachmittags kehrten wir dann glücklich ins Camp am Euphorbia-Hill zurück, um das Farbenschauspiel der untergehenden Sonne zu genießen. Der Tag hatte unsere Erwartungen mehr als erfüllt.

Unser letzter Reittag führte über eine Cattle-Ranch, an den großen Herden der schönen Boran-Rinder vorbei. Rinder- und Schafherden wechselten sich ab mit Gazellen, die sich über unsere übermütigen Galoppaden zu wundern schienen. Durch Busch, Dornensavanne und Urwald kehrten wir zurück zu unserem Ausgangspunkt der Safari, zur Kifufu-Farm, die wir nachmittags erreichten. Hier konnten wir uns noch die Beine vertreten und für einen Spaziergang im Urwald aufbrechen. Das Farmerehepaar (beide sind Ornithologen und haben schon zahlreiche Vogelbücher geschrieben) führte uns durch die bunte Vogelwelt des Kilimanjaro-Forests.

Bei Einbruch der Dunkelheit, hier in Äquatornähe so um 7 Uhr, kehrten wir zum Farmhaus zurück. Die letzte Nacht wurde sehr lang.

In diesen wenigen Tagen hatten wir viel erlebt, hatten wir viel zu erzählen und immer wieder kamen die Höhepunkte dieses unvergesslichen Rittes auf. Unsere Gastgeber, Naturfreunde und Tiernarren, waren stets freundlich, immer einen Witz parat, ständig um das Wohl ihrer Gäste bemüht, auch noch am letzten Tag im Busch.

Als wir am nächsten Abend wieder ins Flugzeug stiegen, nahmen wir unauslöschliche Eindrücke mit uns, von einer phantastischen Reitsafari im Herzen Schwarzafrikas.

Vielen Dank an die Autorin Viola Holik!


3. Dezember 2013