Trailreiten in Österreich

Trailreiten in Österreich

Nach einer Fahrt durch eine traumhafte Landschaft traf ich am Samstagnachmittag wohlbehalten und voller Vorfreude auf dem Reiterhof Kern ein und wurde von Felix Kern, dem Hofherren, begrüßt. Ich war eine der ersten und nachdem ich mein Zimmer bezogen und die Pferde begutachtet hatte, begann das Warten auf die anderen Mitreiter.

Nach dem ersten gemeinsamen Abendessen und gegenseitigem Beschnuppern, freuten wir uns alle auf unseren ersten Ritt am Sonntag. Das Wetter war uns wohl gesonnen. Es war zwar kalt, aber es sah zumindest nicht nach Regen aus.

Für den ersten Tag war ein Einführungsritt geplant, nach dem Frühstück erhielten wir eine Einweisung in das Satteln eines Wanderreitpferdes. Und dann kam endlich die große Stunde und die Pferde wurden verteilt. Ich erhielt einen Criollo-Schimmel mit einem Fischauge und habe mich auf den ersten Blick in ihn verliebt!

Unsere Mittagspause an diesem Tag machten wir in einem gemütlichen Gasthaus, wo wir sogar noch auf der Terrasse sitzen konnten (Oktober!) und von dort den Pferden zusehen, wie sie sich ihr wohlverdientes Mittagsheu schmecken ließen.

Nach ca. 2 1/2 Stunden waren wir dort angekommen, nachdem wir durch Wälder geritten waren und an Bachläufen entlang galoppierten. Auch wir ließen uns dort unser Mittagessen schmecken und machten uns anschließend wieder auf den Weg nach Hause, wo wir unsere Pferde wieder auf die Koppel in ihre wohlverdiente Freiheit entließen.

Am Montag ging es dann richtig los. Das Gepäck wurde im Bus verstaut und wir machten uns auf den Weg ins Waldviertel. Der Wald erstrahlte in den schönsten Herbstfarben und die Stille wurde nur durch das Schnauben der Pferde unterbrochen. Einmal mussten wir eine „noch“ leere Kuhweide durchqueren. Als wir gerade wieder auf der anderen Seite des Zaunes waren, wurden die Kühe aus dem Stall gelassen und eine davon wollte wohl ihr Revier verteidigen. Sie kam wie ein wilder Stier auf uns zu galoppiert und schaffte es gerade noch vor dem Zaun zu bremsen. Unsere Pferde sahen das ziemlich gelassen. Sie dachten sich wohl nur: „Was will denn die dumme Kuh?“

Am späten Nachmittag hatten wir dann endlich unsere erste Burg – die Burg Rapottenstein – vor Augen, doch mussten wir uns noch bis zum nächsten Tag gedulden, bis wir sie dann aus der Nähe sehen konnten. Die Pferde bezogen ihr Quartier bei einem Bauern auf der Koppel und wir waren in einem nahe gelegenen Gasthof untergebracht, wo schon unser Gepäck auf uns wartete.

Da es ja um diese Jahreszeit am Abend doch schon merklich kühler wurde, freute sich jeder auf eine heiße Dusche und anschließend ließen wir uns ein deftiges Abendessen schmecken.

Am Dienstag ging es nach dem Frühstück erst einmal per Auto zur Burg Rapottenstein, die noch bewohnt ist und wo wir eine Führung bekamen. So ein Leben als Burgfräulein, das hätte schon was!

Auch auf dem weiteren Weg sind wir dann mit den Pferden noch einmal recht nahe an die Burg herangekommen und konnten von einer Anhöhe aus einen traumhaften Blick genießen: Unsere grasenden Pferde im Vordergrund – teilweise im Western-Outfit – und die mittelalterliche Burg, gaben schon einen schönen Kontrast ab!

Später wurden wir nach einem steilen Abstieg durch einen endlosen Galopp entlang eines Flusses belohnt, man hat gemerkt, dass es auch den Pferden so richtig Spaß gemacht hat. Auch diesen Abend waren die Pferde gut auf einer Koppel untergebracht und wir in einem Gasthof bestens versorgt.

Der Mittwoch erwartete uns leider mit einem Regenschauer, aber das tat unserer guten Laune keinen Abbruch und siehe da, gegen Mittag kam auch wieder die Sonne heraus. Am Abend trafen wir wieder auf dem Reiterhof ein und es gab ein großes Hallo mit den „Daheimgebliebenen“, denn es war noch eine zweite Gruppe da, die jedoch Sternritte machte, was heißt, dass sie jeden Tag zum Hof zurückkehrten. Die Erlebnisse der letzten drei Tage wurden ausgetauscht und es wurde ein langer Abend.

Aber am Donnerstag freuten wir uns doch darauf wieder loszureiten und noch 2 Ruinen zu erobern. Gleich zum Mittagessen führten wir unsere Pferde auf einen Berg, wo uns dann eine Brotzeit erwartete, die wir uns auch wirklich verdient hatten. Und so gestärkt konnten wir dann auch noch – ohne Pferde – das letzte steile Stück in Angriff nehmen, um dann vom noch erhaltenen Aussichtsturm der Ruine Ruttenstein einen gigantischen Ausblick zu genießen.

Der weitere Weg zu unserem Übernachtungsplatz führte uns durch ein Hirschgehege, doch selbst die röhrenden Hirsche konnten unsere Vierbeiner nicht aus der Ruhe bringen. Am Abend machte sich dann schon ein bisschen Melancholie breit, da der nächste Tag uns wieder zum Reiterhof und damit zum Ende unseres Urlaubs bringen sollte.

Doch am Freitag machten wir uns erst noch auf den Weg zur Ruine Prandegg. Hier werden im Sommer sogar noch richtige Feste im mittelalterlichen Stil abgehalten und außerdem soll es dort auch noch ein Burggespenst geben.

Die Mittagspause an der romantischen Waldaist, wo wir unser Picknick inmitten der Pferde verspeisten, wollte keiner so richtig gerne verlassen und auf den letzten Metern zum Hof hat uns dann doch noch einmal ein Regenguss erwischt, aber vielleicht waren die Regentropfen bei dem einen oder anderen auch mit Abschiedstränen vermischt?

Fazit: Das ist ein Urlaub für Menschen, die kein eigenes Pferd besitzen und einmal wirklich Verantwortung dafür übernehmen wollen und die Ruhe genießen können. Das ist so richtig was, um die Seele baumeln zu lassen. Aber auch für Leute mit eigenen Pferden ist es zu empfehlen, da auf dem Reiterhof auch die Möglichkeit besteht, eigene Pferde unterzustellen und dann anhand einer Reitwander-Karte und einem hervorragend ausgeschilderten Reitwege-Netz eigene Touren zu unternehmen.

Und noch ein Tip für Kurzentschlossene:

Der Wanderreiterhof Kern bietet auch Sternritte im Winter an und ich kann nur versprechen: So etwas erlebt man sonst selten! Und es ist ein tolles Gefühl, wenn abends am Kachelofen so langsam wieder Leben in die Zehen kommt!

Vielen Dank an die Autorin Regina Wagner!


4. Dezember 2013

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