Wanderreiten in der Altmark

Erlebnisse zu Pferd – Ein Reisebericht

Wir reiten an einem strahlenden Herbstsonntag durch den Wald der Altmark. Vor mir Iren, unsere Rittführerin, hinter mir drei weitere Reiter und Carla, der Border-Collie von Iren.

Ich sehe ein paar Pilze, sicherlich Maronen, und ich würde am liebsten kurz absteigen und sie mitnehmen. Aber da wir noch ein paar längere Trab- und Galoppstrecken vor uns haben, wäre das Blödsinn. Dann sind die Pilze Matsch.

Immer wieder müssen wir tief hängenden Ästen ausweichen, umgefallene Bäume überklettern, einen Bach durchqueren. Ich versuche, mein Pferd so zu lenken, dass ich alle Sonnenstrahlen erhasche, die zwischen den Bäumen hindurch fallen. Meine braune Stute folgt artig meinen Wünschen, fast so, als wüsste sie, was meine Gedanken sind. Carla läuft neben den Pferden, bleibt nur ab und zu kurz zurück, um an einem Mauseloch zu schnuppern.

Mein Blick wandert zum Boden. Hier ist der Waldweg so mit weichem Moos gepolstert, dass ich mir bei einem Sturz vom Pferd nicht mal wehtun würde. Aber das ist sowieso unwahrscheinlich. Irens Pferde sind die Ruhe selbst. Auch sie genießen an diesem warmen Herbsttag den 3-stündigen Ritt durch die Natur und träumen vielleicht, so wie ich, vom letzten Sommer!

Freitag, der 1. Tag

Man, bin ich aufgeregt. 8 Frauen und 8 Pferde reiten 8 Tage durch die Altmark! Noch weiß ich nicht so recht, ob meine Reitkünste überhaupt reichen und ich nicht schon am zweiten Tag total erschöpft vom Pferd falle. Aber ich denke, nachdem ich mir jetzt endlich einen Traum erfüllt habe, sprudelt auch 8 Tage lang Adrenalin.

Der erste gemeinsame Abend verspricht viel: Die Mitreiterinnen sind sehr sympathisch, wir sitzen bis Mitternacht gemeinsam am Lagerfeuer und „beschnuppern“ uns. Alle sind neugierig auf die kommenden Tage, jeder erzählt von seinem Pferd und bereits erlebten Ausritten.

Samstag, der 2. Tag

Es geht los! Zur Verabschiedung sind sogar ein Reporter und ein Fotograf der örtlichen Zeitung gekommen. Alle drücken dem Fotografen ihre Kameras für das ultimative Gruppenfoto in die Hand. Es ist jetzt schon ziemlich heiß und alle sind froh, als wir nach 3 Stunden das auf dem Weg liegende Freibad für die Mittagspause erreichen. Die Pferde werden im Wald angebunden und ab geht’s ins kühle Nass.

Der Norden der Altmark hält am Nachmittag einige historische Dörfer für uns bereit und als wir am Abend unser erstes Quartier anreiten, sind wir begeistert: Der Landgasthof „Monika“ in Binde hat neben supergemütlichen Gästezimmern und einem leckeren Abendbrot auch ein Hallenbad, Sauna und Solarium! So stelle ich mir Urlaub vor.

Sonntag, der 3. Tag

Eigentlich bin ich ja kein Frühaufsteher, aber es zieht mich regelrecht aus dem Bett aufs Pferd. Ich habe prächtig geschlafen und kann es kaum erwarten, wieder im Sattel zu sitzen. Wir reiten auch heute ca. 30 km, genau die richtige Strecke, um Landschaft und Sonne zu genießen.

Am späten Nachmittag kommen wir auf das Rittergut von Jagow in Scharpenhufe und sind schon wieder überwältigt: Ein Schloss mit riesigem Garten, Ställe für die Pferde, Wiesen und Seen. Die Hausherrin persönlich deckt für uns eine große Tafel im Schlosspark und verwöhnt uns bis zum späten Abend.

Montag, der 4. Tag

Ab heute geht es Richtung Süden. Wir reiten durch die altmärkische Wische, einem ertragreichen Land, von vielen Gräben durchzogen. Bei Wittenberge überqueren wir die Elbe per Fähre. Die Autofahrer staunen nicht schlecht, wie ruhig und gelassen sich unsere Vierbeiner über das Wasser schaukeln lassen.

Weiter geht es Strom aufwärts bis Havelberg. Ein Kleinod der Altmark mit Stadtinsel, Dom und Kloster, das im Herbst den größten Pferdemarkt weit und breit abhält.

Dienstag, der 5. Tag

Dieser Tag ist ganz der Elbe gewidmet. Wir reiten an ihrem Ufer entlang, genießen den leichten Wind, der bei dieser Hitze einfach gut tut, und erleben einen Strom, der noch ganz natürlich fließt. In der langen Mittagspause auf den Elbwiesen gehen wir sogar in der Elbe baden, unsere Pferde können ausgiebig weiden.

Am Abend erreichen wir Tangermünde, durchqueren mit den Pferden die Stadt und ziehen so alle Blicke auf uns. Acht braungebrannte und gut erholte Frauen hoch zu Ross fallen eben auf.

Mittwoch, der 6. Tag

Heute ist reitfrei! Unsere Pferde dürfen sich einen ganzen Tag auf der Weide ausruhen und wir machen Tangermünde unsicher. Die alte Kaiserstadt bietet unendlich viel Geschichte.

Donnerstag, der 7. Tag

Inzwischen ist es so heiß, dass wir aufgrund der Waldbrandgefahr nicht mehr im Wald reiten dürfen. Entlang der Colbitz-Letzlinger Heide, dem größten Truppenübungsplatz Europas, sind Rehe, Fasane und vereinzelt sogar Füchse zu sehen.

Auf dem Reiterhof in Lüffingen, unserem nächsten Übernachtungsquartier, erwartet uns nach einem gemütlichen Grillabend und einem großen Lagerfeuer ein überdimensionales Heubett!

Freitag, der 8. Tag

Ich wusste gar nicht, wie schön die Altmark landschaftlich ist! Ideal für Reiter, Wanderer, Fahrradfahrer. Wir reiten abwechselnd über Wiesen und durch Wälder, nutzen die abgeernteten Felder für Galoppeinlagen.

Für den vorletzten Tag hat Iren außerdem noch einen Höhepunkt geplant: Wir wollen mit unseren Pferden im See baden. Die Schuhe lassen wir zur Sicherheit an, den Huf auf Fuß ist unangenehm. Zwar kommen die Pferde mit ins Wasser, genießen es aber noch mehr, sich anschließend nass im Sand zu wälzen. Herrliche Schweinerei!

Samstag, Ende der Reise

Am späten Nachmittag reiten wir in Brüchau ein. Ein tolles Abendessen ist für uns organisiert, um die Woche entsprechend ausklingen zu lassen. Wie unsere Pferde sind auch wir müde und glücklich. Mehr als 250 km haben wir in diesen 8 Tagen zurückgelegt und damit fast die ganze Altmark umrundet.

Freundschaften zwischen den Reiterinnen haben sich gefestigt und eine intensive Bindung zwischen uns und den Pferden ist entstanden. Aus dem bunten Pferdehaufen ist eine kleine Herde mit Rangordnung geworden. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so einen sportlich aktiven Urlaub gemacht zu haben, denn eigentlich bin ich ein fauler Mensch.

Lust bekommen?

Besonders empfehlen möchte ich Iren allen denjenigen, die noch nie auf einem Pferd saßen, es aber mal ausprobieren möchten. Auf ihren Pferden fühlen sich auch Nichtreiter wohl. Allesamt mit kleinem Stockmaß sind sie ruhig, absolut zuverlässig, geländesicher und leicht zu handhaben.

Irens`s unkomplizierte Art wird Sie begeistern – kein Verbessern und Zurechtweisen – Sie müssen nicht perfekt sein! Sie ist nicht nur eine sehr einfühlsame Wanderrittführerin, die auf wirkliche alle Wünsche ihrer Reiter eingeht und dabei immer Rücksicht auf deren Können nimmt, sie ist auch ausgezeichnet über Land und Leute informiert.

Inzwischen begleitet mich auch mein Mann als ehemaliger Nichtreiter gern auf Ausflüge. Schon beim ersten Ausritt hat er sein Pferd absichtlich zurück gehalten, um hinterher traben zu können. Jetzt begeistern ihn sogar kurze Galoppstrecken.

Und meinen Eltern, 60 und 63 Jahre, beide haben noch nie auf einem Pferd gesessen, habe ich kurzerhand ein Reitwochenende geschenkt. Die Organisation übernahm, mit meinen Wünschen abgestimmt, Iren und besorgte neben einer Übernachtung in einem urigen Landgasthof einen sehr interessanten Tour mit einem Förster und Picknick im Wald sowie einen Tagesritt mit Ausflug zur Ruine der Apenburg und Mittagessen im Ruinenhof. Meine Eltern waren begeistert!

(Vielen Dank für diesen Beitrag an Kirsten Gnoth!)


27. November 2013